Studie: Medienkritik in martialischer Sprache von Marcus Klöckner „Medien berichten alle gleich, sie setzen zu viel auf Meinung, sie bringen zu wenige Analysen, sie kürzen Interviews so, dass Sinnzusammenhänge auseinandergerissen werden, sie verfälschen bewusst“

Finanzmarkt- und Konzernmacht-Zeitalter der Plutokratie unterstützt von der Mediakratie in den Lobbykraturen der Geld-regiert-Regierungen in Europa, Innsbruck am 02.10.2015

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Bewusstheit, Liebe und Friede sei mit uns allen und ein gesundes sinnerfülltes Leben wünsch ich ebenfalls.

Aus dieser Quelle zur weiteren Verbreitung entnommen: http://www.heise.de/tp/artikel/46/46139/1.html

Studie: Medienkritik in martialischer Sprache

Marcus Klöckner 02.10.2015

Unternehmer und Manager zeigen sich über die Presse und ihre Berichterstattung empört

Medien berichten alle gleich, sie setzen zu viel auf Meinung, sie bringen zu wenige Analysen, sie kürzen Interviews so, dass Sinnzusammenhänge auseinandergerissen werden, sie verfälschen bewusst. Was sich anhört nach einer Medienkritik, wie sie beispielsweise auf einer Pegida-Demonstration zu hören sein könnte, stammt in Wirklichkeit von großen Unternehmern und Spitzenmanagern.

Die Wirtschaftselite stellt sich in die Reihe der Medienkritiker. Das hat eine interessante Studie des Göttinger Instituts für Demokratieforschung herausgefunden. Im Interview mit Telepolis erklärt die Politikwissenschaftlerin Stine Marg, die die Studie mitgestaltet hat, wie das Untersuchungsergebnis zu Tage gefördert wurde. In der Studie ging es eigentlich gar nicht um das Verhältnis von Unternehmern und Managern zu den Medien. Die Spitzenwirtschaftskräfte haben von alleine die Medienkritik in die Studie eingebracht.

Sprachlose Elite? Wie Unternehmer Politik und Gesellschaft sehen lautet der Titel einer vor kurzem veröffentlichten Studie des Göttinger Instituts für Demokratieforschung, die sich vorgenommen hat, Deutschlands Unternehmer und Manager auf den Zahn zu fühlen. Wie ticken sie, wie handeln sie, was denken sie?

In umfangreichen Gesprächen gewährten Verantwortliche in großen Unternehmen den Wissenschaftlern Einblicke darin, wie sie die Welt sehen und wahrnehmen. In vielen der Gesprächen führte die Frage, welcher Medien sich die Unternehmen bedienen, um sich über das Nachrichten und Weltgeschehen zu informieren, zu einer Einlassung in Sachen Medien, die die Studienmacher nicht eingeplant hatten. Deutlich wird: Auch die interviewten Angehörigen des Unternehmertums hinterfragen die Berichterstattung der Medien kritisch und sind hoch unzufrieden mit ihnen. Gleichzeitig erkennen sie aber auch die wirtschaftlichen Probleme, die es in den Medien gibt und verweisen auf eine miserable Entlohnung der Journalisten.

Die Medien sind die Hauptfeinde der Wirtschaftselite

Frau Marg, in Ihrer Studie ist zum Vorschein gekommen, dass Unternehmer und Manager kein gutes Bild von den Medien haben. Wie ist es zu diesem Forschungsergebnis gekommen? Sie haben nicht explizit in Ihrer Studie die Teilnehmer nach ihrem Verhältnis zu den Medien befragt, oder?

Stine Marg: Jein. Also, Sie haben insofern recht, dass die Medien ursprünglich innerhalb der Studie kein genuines Forschungsinteresse waren. Was wir jedoch in jedem Interview eingeplant hatten, war die Frage danach, mit Hilfe welcher Medien sich der jeweilige Gesprächspartner über Politik und Gesellschaft informiert. Doch auch ohne diese explizite Thematisierung der Medien durch den Interviewer, kamen die meisten Befragten von sich aus auf deren mangelnde Qualitäten zu sprechen.

Also war es offensichtlich den Unternehmern und Managern ein Bedürfnis, sich auch zu den Medien zu äußern?

Stine Marg: Offensichtlich. Die Medien wurden von vielen Unternehmern und Managern recht früh im Gespräch für zahlreiche gesellschaftliche Fehlentwicklungen verantwortlich gemacht und dafür auch hart abgestraft. Überdies äußerten viele Manager die Befürchtung, dass die Medien einen zu großen negativen Einfluss auf die Meinungsbildung der breiten Bevölkerung ausüben würden.

„Nicht Gewerkschaften, nicht sozialdemokratische Parteien, nicht einmal die Linke oder unerbittlich quengelnde NGOs sind die Hauptfeinde der Wirtschaftselite, sondern ‚die Medien'“, heißt es in Ihrer Studie. Das klingt hart. Was haben die Manager und Unternehmer gesagt?

Stine Marg: Medien pauschalisierten, skandalisierten oder profanisierten. Einige sprachen davon, dass Menschen regelrecht „gejagt“ würden und es kaum mehr einen Schutz der Privatsphäre gebe. Interessant ist, dass die Befragten in Bezug auf die Medien auch eine sehr harte und martialische Sprache verwendeten, mit der sie sonst eher zurückhaltend waren.

Was haben sie sonst noch zu den Medien gesagt?

Stine Marg: Beinahe alle Befragten waren sich darüber einig, dass die Medien zu viel „Meinungen“ produzierten beziehungsweise reproduzierten und zu wenig „Analysen“ brächten, also die Zuschauer, Leser oder Hörer nicht adäquat und sachlich informiert würden. Viele nehmen die Medien auch sehr einheitlich wahr und behaupteten, dass alle das Gleiche schrieben. Überdies haben sie – und dies gilt mehr für die von uns befragten Manager als für die Unternehmer – schon schlechte Erfahrungen mit Medien gemacht, beziehungsweise wissen aus ihrem Unternehmern darüber zu berichten. So seien beispielsweise Interviews gekürzt und Sinnzusammenhänge auseinandergerissen worden, worüber sich die Wirtschaftselite heftigst empörte. Aus Angst vor dieser, aus Sicht der Befragten, bewussten Verfälschung, – der Medienvertreter würde sicher formulieren, vor dem kritischen Journalisten -, flüchtet ein Großteil der Unternehmer vor den Medien und taucht weitestgehend lieber in die Anonymität ab.

Haben die Unternehmer und Manager pauschal die Medien kritisiert, oder haben Sie differenziert, zum Beispiel nach den Öffentlich-Rechtlichen und den Privaten?

Stine Marg: Die öffentlich-rechtlichen Medien haben keinesfalls eine größere Reputation bei den Managern und Unternehmern. Das trifft im Übrigen auf alle Formate zu. Wir hatten nicht den Eindruck, als gäbe es für die Wirtschaftselite noch eine Art Leitmedium, das sie bevorzugt konsumieren und dem sie vertrauen. Nach eigenen Aussagen informierten sie sich im Netz, hörten Radio oder sähen fern. Man lese ebenso Boulevard- wie regionale Zeitungen, surfe bei den verschiedensten Internetblogs vorbei, blättere in der „Zeit“, habe möglicherweise die „Süddeutsche“ im Abo, während das Handelsblatt im Büro läge und im Flugzeug lese man das, was einem die Stewardess in die Hand drückt.

Die Wirtschaftselite unterscheidet sich in ihrer Medienkritik kaum von den Dresdener „Lügenpresse“-Rufern 

In Ihrer Studie heißt es, ein Unternehmer sage, der öffentlich-rechtliche Rundfunk erfülle zumindest teilweise nicht den „Anspruch auf Informationsweitergabe“, sondern mache einfach Meinung. Außerdem gab es Unternehmer, die in den Interviews mit Ihnen sagten, dass sie keinem Medium vertrauten. Eine ziemlich vernichtende Medienkritik, die der, wie sie zum Beispiel von PEGIDA-Anhängern geäußert wird, in nichts nachsteht, oder?

Stine Marg: Das ist richtig. Die Wirtschaftselite unterscheidet sich in ihrer Medienkritik kaum von den Dresdener „Lügenpresse“-Rufern. Und das, obwohl sie zugleich zugeben, keine Zeit zu haben, einen Artikel über eine ganze Seite zu verfolgen.

Doch nicht alle waren blind für die Zwänge, in denen sich auch Journalisten befinden. Sie gaben zu Protokoll, dass die Probleme der Medien auch auf die fatalen Auswirkungen einer Branchenkrise zurückzuführen seien, das Sparzwänge zu oberflächlichen Berichten, die Abhängigkeit von Anzeigen teilweise zu affirmativen Haltungen, die Absatzkrise zur Aufgabe der Sachlichkeit zu Gunsten reißerischer Geschichten führten. Hinzu kommt, dass Journalisten miserabel entlohnt würden, nur noch selten eine fundierte Ausbildung oder die Möglichkeiten intensiver Recherchen hätten, sondern von einem Artikel zur nächsten Story hetzen müssten. Daher konstatieren diese diferenzierenden Beobachter auch,, dass es keine „guten Medien“, sondern nur noch vereinzelt „gute Journalisten“ gäbe.

Wie bewerten Sie die Aussagen der Unternehmer und Manager im Hinblick auf die Medien? Welche Konsequenzen ergeben sich aus dieser Grundhaltung gegenüber der Presse?

Stine Marg: Nun ich sehe zunächst die unmittelbare Konsequenz, dass sich Manager weiterhin vor den Medien in Acht nehmen und die Zusammenarbeit mit der Presse ihre sich zunehmend professionalisierenden Medienabteilung überlassen werden. Durch die weit verbreitete Geringschätzung der Unternehmer gegenüber der Arbeit der Journalisten verlieren die Medien jedoch auch gleichzeitig die Informations- und Aufklärungsfunktion für diese gesellschaftliche Elite. Woher sollen sie sich einen Überblick über gesellschaftlich Probleme oder Vorgänge jenseits des Unternehmenszusammenhanges verschaffen, in dem sie fest eingebunden sind, verschaffen, wenn nicht aus den Medien?

Äußerst selten ist ernsthaftes zivilgesellschaftliches oder politisches Engagement

Aber all diese Erkenntnisse waren mehr ein Zufallsprodukt Ihrer Studie. Gehen wir auf Ihre eigentliche Forschungsfrage ein. Sie wollten wissen: „Sind die Unternehmenslenker im Kern tatsächlich von Gier angetrieben und bar jeglicher Selbstbeschränkungen, wie es wieder und wieder, dabei durchaus mit drastischen Beispielen belegt, kolportiert wird? Sind die Geschäftsführer und Manager ausschließlich am Profit interessiert und ahnungslos bezüglich der Ausstrahlung ihrer Position auf Politik und Gesellschaft?“ Welche Antworten haben Sie gefunden?

Stine Marg: Selbstverständlich sind die Befragten nicht ahnungslos hinsichtlich des Einflusses ihrer Handlungen im gesamtgesellschaftlichen Kontext gewesen, doch eine sich daran anschließende besondere Verantwortung sahen die Wenigsten. So sind wir nur äußerst selten auf ernsthaftes zivilgesellschaftliches oder politisches Engagement gestoßen.

Interessant war in diesem Zusammenhang auch, dass einige zwar zugaben, dass es den rücksichtslosen, gierigen und verantwortungslosen Manager durchaus gebe, dass das aber weder auf sie selbst noch auf irgendeinen Unternehmer, den sie kennen, zutreffen würde und dass man aufgrund der verschwindend geringen Zahl an schwarzen Schafen keinesfalls eine ganze Elite verteufeln dürfe.

Was haben Sie zur Selbstwahrnehmung der Unternehmer und Manager erfahren?

Stine Marg: Die meisten Befragten waren davon überzeugt, gute Arbeit zu machen. Dies bezogen sie nicht nur auf ihr Unternehmen, sondern auch auf ihre Rolle in der Gesellschaft. Als Arbeitgeber und als Erwirtschafter von Unternehmensgewinnen hätten sie auch dazu beigetragen, dass Deutschland insbesondere im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern bisher so gut durch die wirtschaftliche Krise gekommen sei – politischen Rahmenbedingungen und Gesetzen, an denen es seit 2007/8 nicht gefehlt hat, räumten sie hieran keinerlei Beitrag ein.

 Gab es Probleme bei Ihrer Studie?

Stine Marg: Grundsätzlich war es nicht leicht, Gesprächspartner für unsere Interviews zu gewinnen und gerne hätten wir auch noch mehr Gruppendiskussionen durchgeführt. Was jedoch bedauerlicherweise gar nicht möglich war, waren teilnehmende Beobachtungen. Trotz der Zusicherung der Anonymität, die wir jedem Studienteilnehmer machten, war es uns in keiner Organisation, in keinem Verband oder in keinem informellem Zusammenschluss von Unternehmern und Managern möglich, dabei zu sein, Interaktionen, Gepflogenheiten oder Kommunikationsmuster zu beobachten. Das war uns bisher in anderen Forschungsprojekten mit ähnlicher Ausrichtung immer möglich gewesen. Interessant ist, dass nach der Veröffentlichung der Studie diese Dinge leichter wären, nur leider kamen sie in diesem Fall zu spät.

 Es gibt noch viele dunkle Stellen, was die sozialwissenschaftliche Erforschung von Unternehmern und Managern angeht. Wo sehen Sie weitere wissenschaftliche Ansätze bzw. worauf sollten sich die Sozialwissenschaften konzentrieren?

Stine Marg: Unabhängig von der Machbarkeit aufgrund der Schwierigkeiten mit diesem Forschungsfeld sollten tatsächlich die informellem Verbindungen der Unternehmer untereinander und mit anderen gesellschaftlichen Eliten wie Künstlern, Politikern oder Professoren untersucht werden. Gleiches trifft auch auf das tatsächliche zivilgesellschaftliche Engagement oder den Wertehimmel der Wirtschaftselite zu, die, wie in unserer Studie, nur über die Selbstauskunft erfassen konnten. Hier wäre ein Forschungsdesign nötig, welches weitere Faktoren und Beobachtungsperspektiven miteinbaut.

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Aus dem per ÖVP-Amtsmissbräuche offenkundig verfassungswidrig agrar-ausgeraubten Tirol, vom friedlichen Widerstand, Klaus Schreiner

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“Wer behauptet, man braucht keine Privatsphäre, weil man nichts zu verbergen hat, kann gleich sagen man braucht keine Redefreiheit weil man selbst nichts zu sagen hat.” Edward Snowden.

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