Univ. Prof. DDr. Jürgen Huber und Caritas Direktor Georg Schärmer erläutern die realitätsfernen Berechnungen des Verbraucherpreisindex (VPI) und rufen nach einem neuen sozial angepassten Preisindex. Dieser VPI ist ein wichtiger Wert, da die Löhne, Mieten und weitere Preise daran angepasst werden.

Finanzmarkt- und Konzernmacht-Zeitalter der Plutokratie unterstützt von der Mediakratie in den Lobbykraturen der Geld-regiert-Regierungen in EuropaInnsbruck, 2014-04-02

Liebe BlogleserIn,

aus dieser Quelle entnommen: http://www.tt.com/wirtschaft/8161560-91/ruf-nach-einem-neuen-preisindex.csp

Ruf nach einem neuen Preisindex

Weil Preistreiber wie Essen und Mieten die Armen härter treffen als die Reicheren, gehört die Berechnung der Inflation reformiert, kritisieren Experten. Sie fordern einkommensspezifische Inflationsraten.

 

Von Max Strozzi

Innsbruck – Ob als Basis für Lohnverhandlungen, für Mietpreiserhöhungen oder als Indikator für die Inflation: Der Verbraucherpreisindex (VPI) der Statistik Austria, der die Entwicklung der Preise darstellt, ist eine der wichtigsten Kennzahlen. Der Innsbrucker Uni-Professor und Finanzexperte Jürgen Huber sowie Tirols Caritas-Direktor Georg Schärmer äußern nun massive Kritik an der Erhebungsmethodik des VPI und machen sich für eine Reform des Preisindex stark. Denn die tatsächliche Teuerung für ärmere Haushalte sei deutlich höher, als es der Index aussagt. Der Grund: Wenigverdiener müssen einen viel größeren Teil ihres Einkommens etwa für die Preistreiber Essen und Wohnen ausgeben als Besserverdiener.

 

Huber gibt ein Beispiel: Einkommensschwache müssen für Mietkosten oft 30 bis 40 % ihres Budgets ausgeben, weitere 30 % für Lebensmittel. Besser gestellte Haushalte hingegen zahlen oft keine Miete, weil sie ein Eigenheim besitzen. Für Nahrungsmittel geben sie weniger als 10 % des Einkommens aus. Steigen nun wie in den letzten Jahren Mieten und Lebensmittel überdurchschnittlich, so erfasse der VPI dies laut Huber nur ungenügend, denn dort machen etwa Mieten nur knapp 4 % des Gesamtindex aus. „Zu wenig für die Armen, zu viel für die Reichen“, so Huber. Von Ende 2010 bis Februar 2014 habe die Inflation summiert 8,5 % betragen. Für Wenigverdiener, die mehr ihres Einkommens für Miete und Essen ausgeben, sei die tatsächliche Inflation aber bei 11,7 % gelegen, für Reichere hingegen nur bei 5,3 %. „Der derzeitige Index bildet nicht das tatsächliche Konsumverhalten ab“, kritisiert Huber.

Er und Schärmer fordern daher einen einkommensspezifischen Verbraucherpreisindex, was sich – wenn die Preisentwicklungen so bleiben wie zuletzt – in einer höheren Inflationsrate für ärmere Haushalte und einer niedrigeren für Besserverdiener auswirken würde. Als Folge daraus sollten die Löhne für Geringverdiener stärker steigen, für Besserverdiener weniger stark. „Somit würde die Schere zwischen Arm und Reich kleiner, die Kaufkraft der Ärmeren gesteigert und ständig steigende Transferzahlungen unnötig werden“, argumentieren Huber und Schärmer. Der Caritas-Chef könnte sich vorstellen, in Einkommensstufen von 1000 Euro eigene Inflationsraten zu erstellen. „Die Statistik Austria hätte die Daten, in kürzester Zeit wären sie ausgewertet. Dann würde die Regierung sehen, dass die Inflation für Arme viel höher ist“, meint Huber.

Aus seiner Sicht gehöre der VPI generell reformiert. Der Finanzexperte ortet bereits bei der Erhebung der Daten große Mängel. Ein Knackpunkt ist der Warenkorb, wo von Brot über Sprit, Mieten oder Schmuck die Preise von rund 800 Produkten und Dienstleistungen aufgelistet und gewichtet werden. Mieten fallen eben mit rund 4 % ins Gewicht – somit geht man davon aus, dass ein Haushalt nur 4 % seines Einkommens für Mieten ausgibt.
In der Realität ist es oft viel mehr.

Huber kritisiert, wie die Gewichtung zustande kommt. Sie basiert großteils auf der Konsumbefragung, die alle 5 Jahre stattfindet, zuletzt 2009/2010. Dabei werden über ein Jahr verteilt rund 6500 Haushalte gebeten, 14 Tage lang ein Haushaltsbuch zu führen. „Was einmal in nur 14 Tagen erhoben wird, gilt die nächsten fünf Jahre. Das ist problematisch“, so Huber. Aus seiner Sicht nicht das einzige Manko. Denn insgesamt geben Österreichs Haushalte zwar jährlich 168 Mrd. Euro aus, „doch nur drei Viertel davon werden im Warenkorb dargestellt und vom VPI erfasst“, so Huber. Denn erfasst wird etwas nur, wenn es mindestens 0,1 % der Gesamtausgaben ausmacht. Auch im Warenkorb selbst klaffen Lücken. Unter den Kosten für Eigentumswohnungen etwa würden nur Kreditzinsen erfasst, nicht aber der Preis für den Wohnungskauf selbst. Huber: „Somit fließen die Preistreiber Grund und Eigentumswohnungen in die ganze Inflationsberechnung gar nicht ein.“

Aus dem per ÖVP-Amtsmissbräuche offenkundig verfassungswidrig agrar-ausgeraubten Tirol, vom friedlichen Widerstand, Klaus Schreiner

Be part of the solution. Don´t be part of the problem! Sei dabei! Gemeinsam sind wir stark und verändern unsere Welt! Wir sind die 99 %!

 

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere