Gatterjagd: Den „Blutrausch der Betuchten“ im Visier … Die Wildtiere, „gezüchtet eigens für die Massaker“, leben „in einem unnatürlich kleinen Gebiet“ und dienen nur einem Zweck: „der Befriedigung des Blutrausches einiger betuchter ‚Jagdgäste‘“.

Finanzmarkt- und Konzernmacht-Zeitalter der Plutokratie unterstützt von der Mediakratie in den Lobbykraturen der Geld-regiert-Regierungen in Europa, Innsbruck am 20.01.2016

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Gatterjagd: Den „Blutrausch der Betuchten“ im Visier

Tierschützer protestieren gegen das Jagdgatter der Malteser. Der Ritterorden kann die Entrüstung nicht nachvollziehen.

(© Karin Widhalm)
Die Tierschützer wollen zum Teil unerkannt bleiben. Sie begutachteten mit Martin Balluch (hockend) das Jagdgatter von innen. Foto: Karin Widhalm © Karin Widhalm

Gleich im Morgengrauen sind sie da: Die Tierrechtsaktivisten wollen sicher gehen, dass die Jagd im Gatter tatsächlich nicht stattfindet. Und der Lokalaugenschein überzeugt sie: Das sind handzahme Wildschweine. Zuchttiere nennt sie Martin Balluch.

Der Obmann des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) postete auf Facebook tags davor, am vorigen Donnerstag: „Helft uns, die zahmen Wildschweine vom Jagdgatter Mailberg zu retten!!!“ Die Tiere sind tatsächlich nicht menschenscheu, wie NÖN-Mitarbeiter Michael Böck im September vor Ort feststellte (siehe hier und Link unten).

Protest für Tierschützer nur ein Etappensieg

Balluch ist entrüstet: „Diese Wildschweine wurden ganz offensichtlich im engen Kontakt zu Menschen gezüchtet! Nun sitzen sie im Jagdgatter Mailberg und sollen diesen Freitag, 15. Jänner, von Hunden gehetzt und von perversen Jägern beschossen werden!“

Der Aufruf in den sozialen Medien half: Der Protest gegen die Gatterjagd war groß. Die Postings wurde vielfach kommentiert, geteilt und aufgerufen.

„Dieser Fall zeigt, dass die Gatterjagd vom Großteil der Bevölkerung vehement abgelehnt wird“, ist Balluch überzeugt. „So viele Proteste in so kurzer Zeit sollten jenem kleinen Teil der Jägerschaft, der noch immer an dieser grausamen Praxis festhält, zu denken geben.“

Der Pächter des Gatters, Werner Mattes, hat schließlich die Jagd abgesagt. Das gab Bezirksjägermeister Karl Wittmann noch am Donnerstagnachmittag der NÖN bekannt.

Der Protest fruchtete, aber das ist für die Tierschützer nur ein Etappensieg. Sie wissen, dass der Pächter jederzeit wieder eine Jagd einberufen kann. Balluch möchte, dass die „Jagd auf Zuchttiere“ unterbunden wird. Unterstützung erhält von den Grünen: Weinviertel-Landtagsabgeordnete Amrita Enzinger fordert ein Verbot im NÖ Jagdrecht.

Eigentümer lässt Vorwürfe nicht auf sich sitzen

Balluch appelliert an VP-Landesrat Stephan Pernkopf, „den Kopf aus dem Sand zu ziehen und zu erkennen, dass die Problematik nicht weggehen wird, bis es eine Lösung gibt“. Eine Lösung, die „im Gespräch mit dem Tierschutz“ gefunden werden sollte.

Der Wiener Tierschutzverein fordert ebenso ein Stopp für die Gatterjagd. „Das Maß ist mehr als voll“, findet Präsidentin Madeleine Petrovic. Die Wildtiere, „gezüchtet eigens für die Massaker“, leben „in einem unnatürlich kleinen Gebiet“ und dienen nur einem Zweck: „der Befriedigung des Blutrausches einiger betuchter ‚Jagdgäste‘“.

Der Souveräne Malteser Ritterorden lässt als Grundeigentümer nicht auf sich sitzen, dass die Tiere für den Abschuss gezüchtet wurden. „Die Wildschweine sorgen dafür, dass der Waldboden umgegraben wird und eine natürliche Baumverjüngung wieder stattfindet“, erklärt Kanzler Richard Steeb.

„Die Tiere leben vollkommen frei in dem Waldgebiet, indem übrigens 181 (!) Fußballfelder leicht Platz finden“, ergänzt er. 180 Hektar ist das Gebiet groß. Spaziergänger würden aber Abfälle und Lebensmittel zurücklassen.

„Wildschweine sind von Natur aus Allesfresser, neugierig und merken sich natürlich die Plätze, an denen ihnen ‚wohlmeinende Menschen Nahrung anbieten“, erklärt er, weshalb die Wildschweine so zutraulich sind. Sie sind aber auch wehrhaft, fügt Steeb hinzu.

Er betont: „Wir tolerieren keine unqualifizierten oder auch tierquälerische Methoden.“ Der Ritterorden muss aber mit der behördlich vorgeschriebenen Bejagung eine konstante Wilddichte sicherstellen.

Falschmeldungen? Es steht Aussage gegen Aussage

Steeb kritisiert Balluch: „Er hat absichtlich im Internet Falschmeldungen verbreitet und eine Hetzkampagne gegen uns als Grundbesitzer gestartet, die einige seiner Anhänger dazu verleitet haben, in den sozialen Medien auch zu strafbaren Handlungen aufzurufen und gegen unsere Pächter und ihre Familie Drohungen auszusprechen.“

„Ich habe keine Falschmeldungen gesehen“, antwortet Balluch. „Wir haben gezeigt, dass die Wildschweine handzahm sind und dazu aufgerufen, dagegen zu protestieren.“

Das Argument der Baumverjüngung hält er für „absurd“. Die Wildschweine würden für freistehende Wurzeln sorgen und Erosionsschäden verursachen. „Wenn die wirklich den Wald schützen wollen, dann bin ich total dafür“, ergänzt der Tierschützer. „Ich würde empfehlen, die Zäune zu öffnen, die Wildtiere überhaupt nicht zu füttern.“

Umstritten war das Jagdgatter im Wald des Ritterordens Zeit seines Bestehens – und der Aufschrei kam 2011 nicht seitens des Tierschutzes. Jagdleiter Franz Ecker sprach von einer „groben ökologischen Vergewaltigung“ und der Bezirksjägermeister Karl Wittmann von einem „massiven Eingriff in den natürlichen Lebensraum“.

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