Bodenloses Elend: Wie sich Landraub auf die Welt auswirkt! Weltweit wird von Konzernen fruchtbarer Boden aufgekauft. Was Landraub für die Welt bedeutet und was das mit dem aktuellen Flüchtlingsthema zu tun hat, weiß Kurt Langbein.

Finanzmarkt- und Konzernmacht-Zeitalter der Plutokratie unterstützt von der Mediakratie in den Lobbykraturen der Geld-regiert-Regierungen in Europa, Innsbruck am 16.09.2015

Liebe® Blogleser_in,

Bewusstheit, Liebe und Friede sei mit uns allen und ein gesundes sinnerfülltes Leben wünsch ich ebenfalls.

Aus dieser Quelle zur weiteren Verbreitung entnommen: https://www.tt.com/politik/10506834-91/bodenloses-elend-wie-sich-landraub-auf-die-welt-auswirkt.csp

INTERVIEW

Bodenloses Elend: Wie sich Landraub auf die Welt auswirkt

Weltweit wird von Konzernen fruchtbarer Boden aufgekauft. Was Landraub für die Welt bedeutet und was das mit dem aktuellen Flüchtlingsthema zu tun hat, weiß Kurt Langbein.

Arbeiten auf Land, das einem nicht mehr gehört: Vor allem in Afrika hat viel Grund den Besitzer gewechselt, die Bauern wurden oft vertrieben.

 
Die Zahlen sind erschreckend: In den vergangenen zehn Jahren hat weltweit mehr Ackerfläche den Besitzer gewechselt als ganz Europa an Ackerland hat, oft wurden dafür die ortsansässigen Bauern vertrieben. Warum bekommt die breite Öffentlichkeit davon nur wenig mit? Und kann man von einer neuen Form des Kolonialismus sprechen?

Kurt Langbein: Es ist den großen Agrar-Investoren und Plantagen-Konzernen offenbar gelungen, die europäische Öffentlichkeit von ihrem Tun weitgehend abzuschneiden. Und das ist das Dilemma des Journalismus: Dass wir auf Brennpunkte erst schauen, wenn es dort wirklich brennt.

Aber ich muss gestehen, dass mir vor meinen Recherchen nicht bewusst war, in welch unglaublichen Dimensionen Landraub passiert. Und dass Hunderttausende oder Millionen Kleinbauern ihr Land sowie ihre wirtschaftliche sowie soziale Perspektive verlieren, ist mir ebenfalls erst durch diese Arbeit im vollen Umfang klargeworden. In diesem Zusammenhang kann sehr wohl von Kolonialismus gesprochen werden.  

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Der langjährige ORF-Mitarbeiter Kurt Langbein schrieb das Buch

Der langjährige ORF-Mitarbeiter Kurt Langbein schrieb das Buch „Landraub: Die globale Jagd auf Ackerland“ (Ecowin-Verlag, 21,95 Euro).

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Ecowin

Sie zeigen u.a. auf, dass vor allem die Konsumenten in der westlichen Welt Hauptnutznießer dieser Entwicklung sind. Warum?

Langbein: Ja – und wir sind auch Hauptverursacher. Denn knapp die Hälfte des weltweit eingesetzten Kapitals in der Agrarindustrie kommt aus Europa. Europäische Kommission und Weltbank fördern neoliberale Denkweisen, dort werden Handelsrechte immer noch wichtiger als Menschenrechte und soziale Mindeststandards erachtet. Das ist ein Missstand.

Verschärft hat sich die Situation mit der Finanzkrise 2008. Denn da haben die großen Banken und Fonds Ackerland als schnell im Wert steigendes Investment entdeckt (siehe Zahlen rechts).

Landraub hat laut Ihren Recherchen auch mit der momentanen Flüchtlingsbewegung zu tun …

Langbein: Wenn man Menschen ihre Perspektive raubt, indem man ihnen das Land unter den Füßen wegkauft, sehen diese keinen anderen Weg mehr, als sich in Bewegung zu setzen. In Europa hat ein ähnlicher Prozess vielleicht vor 150 Jahren stattgefunden. Doch heute finden diese vertriebenen Menschen in den Städten in ihren Ländern keine Arbeit, so wie vor 150 Jahren in Europa, weil das nicht einhergeht mit einer massiven Industrialisierung wie damals.

„Wir sind hier, weil ihr unsere Länder zerstört“: Wir werden diese Parole in Zukunft wohl noch öfter hören, wenn wir nicht der Politik, die das verursacht bzw. ermöglicht, Einhalt gebieten. Das, was momentan in Sachen Flüchtlingsbewegung passiert, könnte daher nur ein Vorgeschmack sein.

Für die Recherchen zu dem Film bzw. Buch sind Sie zwei Jahre durch die Welt gereist. Welches Schicksal hat Sie am meisten berührt?

Langbein: Akut betroffen gemacht hat mich die Reise nach Kambodscha. Dort sind wir mit einem Mönch, der sein Leben dem Kampf gegen den Landraub verschrieben hat, durch die Lande gezogen. Als wir in sein Kloster kamen, waren dort Hunderte Menschen, die einige Tage vorher vertrieben worden sind. Die Mönche haben für diese Bauern demonstriert, und dann ist etwas passiert, was Hoffnung macht. Denn nach einigen Monaten haben diese 400 Menschen ihr Land zurückbekommen. Das zeigt, dass im Kleinen Veränderungen möglich sind, wenn der Widerstand entschlossen genug ist. Allerdings sind im selben Zeitraum Zehntausende andere vertrieben worden.

Wie könnte diese Entwicklung gestoppt werden?

Langbein: Ich glaube, wenn mehr Menschen wissen, was passiert und wenn wir begreifen, dass wir es in der Hand haben, es auch wieder zu verändern, dann ist Veränderung machbar. Dazu müssten allerdings die politischen Rahmenbedingungen geändert werden, indem z.B. Regulative beschlossen werden, dass europäische Investoren nur unter Einhaltung von Mindeststandards investieren dürfen und auf der anderen Seite Nahrungsmittel nur begünstigt importiert werden können, wenn bei ihrer Produktion Mindeststandards eingehalten werden. Trotz der erschreckenden Tatsachen und furchtbaren Tragödien, die ich in den letzten Jahren sehen musste, bin ich aber immer noch Optimist und glaube nach wie vor an die Veränderbarkeit der Politik.

Aber haben die großen Konzerne inzwischen nicht so viel Macht, dass man dagegen gar nicht ankommt?

Langbein: Die großen Unternehmen haben sicher eine enorme Macht und verfügen auch über einen großen Einfluss auf die europäische und die Weltpolitik. Aber es gibt immer wieder Beispiele, die zeigen, dass Bewegungen von unten, die Bewusstseinsveränderung in der Bevölkerung, die Politik beeinflussen können.

Durch Landraub und die intensive Landwirtschaft kommt es auch zur Zerstörung der Böden …

Langbein: Ja, das ist eine dramatische Entwicklung, ich glaube, das ist die wirkliche Weichenstellung, vor der wir stehen. Denn die Agrarindustrie gibt vor, die Welt vor dem Hunger zu bewahren. Allerdings ist sie extrem ineffizient, was den Energieeinsatz betrifft, sie verbraucht durch ihre Maschinen, Chemikalien sowie Saatgutproduktion wesentlich mehr Energie, als sie in den Pflanzen produziert.

Und natürlich kommt es zu einer Zerstörung der Böden. Es ist daher Zeit, den Vormarsch der Agrarindustrie zu stoppen und dafür zu sorgen, dass Bauern wieder eine Perspektive bekommen. Denn es gibt viele Modelle, die zeigen, dass das möglich ist.

Was kann ich als Konsument gegen Landraub tun?

Langbein: Es gibt viele Möglichkeiten, wie der Konsument Einfluss nehmen kann. Man kann z.B. versuchen, auf Palmöl-Produkte zu verzichten. Vor allem in Asien passiert nämlich viel Landraub, um Palmöl zu produzieren. Es wird rund um den Film und das Buch zudem viele Veranstaltungen geben.

Das Interview führte Irene Rapp

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Aus dem per ÖVP-Amtsmissbräuche offenkundig verfassungswidrig agrar-ausgeraubten Tirol, vom friedlichen Widerstand, Klaus Schreiner

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