Die Presse: Die ökonomische Geheimwaffe der USA; Und: Die Welt hat langsam genug vom Dollar

★★★ Widerstandsberichterstattung über die herrschenden, demokratischen Um- bzw. Zustände ★★★

Finanzmarkt- und Konzernmacht-Zeitalter der Plutokratie unterstützt von der Mediakratie in den Lobbykraturen der Geld-regiert-Regierungen in Europa, Innsbruck 2014-07-27

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Die ökonomische Geheimwaffe der USA 

Der US-Dollar ist seit Jahrzehnten die wichtigste Währung der Welt. Das bringt den Amerikanern riesige Vorteile. So können sie ungestraft über ihre Verhältnisse leben und sogar Inflation ins Ausland exportieren.

26.07.2014 | 18:38 |  von Jakob Zirm  (Die Presse)

Der US-Dollar ist die globale Leitwährung. Während man beim Zücken eines Euroscheins in Ostasien, Lateinamerika oder Afrika mitunter noch ein fragendes Gesicht beim lokalen Gegenüber verursachen kann, wird der „Greenbuck“ auch am entlegensten Straßenmarkt widerspruchslos akzeptiert. Aber es ist bei Weitem nicht nur diese Vereinfachung bei Auslandsreisen für amerikanische Touristen und Geschäftsleute oder die damit verbundene Ersparnis von Wechselspesen, die den Dollar zu einer ökonomischen Geheimwaffe machen. Es ist vielmehr das exorbitante Privileg, das der Status als globale Reservewährung für die US-Volkswirtschaft mit sich bringt.

Schon in den 1960er-Jahren wurde dieser Begriff vom damaligen französischen Finanzminister und späteren Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing geprägt. Giscard d’Estaing bezeichnete damit eine Summe von Vorteilen, die die USA gegenüber anderen Nationen hatten und auch heute noch haben. Kernpunkt dieses Privilegs ist, dass die USA Waren, die anderswo produziert werden, immer mit ihrer eigenen Währung bezahlen können. Sie können also – vereinfacht gesagt – Papier gegen echte Werte tauschen.

Defizit? Who cares. Während andere Länder im internationalen Handel, etwa wenn es um den Einkauf von Öl oder Gas geht, ihre lokalen Währungen zuvor in Dollar tauschen müssen, können die USA gleich direkt bezahlen. Sie können somit nie in die Verlegenheit geraten, dass ihre Zentralbank über zu wenig Devisenreserven verfügt, um die internationalen Zahlungsverpflichtungen des Landes zu erfüllen. Eine Situation, die vor allem kleinere Länder schon oft in einen wirtschaftlichen Strudel nach unten gerissen hat.

Aber nicht nur das: Die USA können auch einfach frische Dollar drucken, um mehr Waren zu kaufen, als sie sich eigentlich leisten könnten – und so über ihre Verhältnisse leben. Vor allem seit der Mitte der 1990er-Jahre wird dieses Modell in Washington rigoros angewandt, was sich bis zum Ausbruch der Finanzkrise 2008 in einem stetig steigenden Leistungsbilanzdefizit zeigte (siehe Grafik). Seither wurde das Defizit zwar etwas verringert, es ist aber immer noch höher als das Defizit aller anderen Länder mit einer negativen Leistungsbilanz zusammen.

 

Normalerweise führt ein dauerhaftes Leistungsbilanzdefizit zu volkswirtschaftlichen Problemen, weil die Devisenreserven zu Ende gehen und die lokale Währung massiv abwertet, da sie von der Notenbank wie wild gedruckt wird und in der Folge die globale Nachfrage nach dieser Währung sinkt oder sogar gegen null geht. Dies ist beim US-Dollar jedoch nicht der Fall. So druckte und druckt die US-Notenbank zwar ebenfalls Dollar auf Teufel komm raus, um das chronische Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren. Da der US-Dollar aber die globale Reservewährung ist, gibt es immer genügend Nachfrage danach.

Hinzu kommt die Sonderrolle Chinas. China will die eigene Währung, den Yuan, künstlich niedrig halten, um die Exportwirtschaft nicht zu gefährden. Kaufen die USA nun chinesische Waren mit frisch gedrucktem Geld, würde dies den Yuan gegenüber dem Dollar an Wert steigen lassen. Um das zu verhindern, druckt China ebenfalls, um die neuen Dollar zu kaufen und als Währungsreserve zu bunkern. Die Inflation (Aufblähung der Geldmenge) aus den USA wird so nach China exportiert. Für die einfachen Chinesen bedeutet diese Politik, dass sie sich unter dem Strich weniger leisten können, als sie eigentlich erwirtschaftet haben.

Zinsvorteile. Weit über 500 Milliarden Dollar an echten Banknoten sind laut Zahlen des US-Ökonomen Barry Eichengreen von der University of California in Berkeley demnach bereits außerhalb der USA im Umlauf. Bei den 100-Dollar-Noten sollen sich sogar drei Viertel davon im Ausland befinden. Diese Cash-Bestände sind für die Halter besonders nachteilig, da sie nicht einmal Zinsen abwerfen. Aber auch bei jenen Dollarbeständen, die in Form von US-Staatsanleihen gehalten werden, erzielen die Inhaber deutlich geringere Zinsen, als die USA selbst für ihre Investments im Ausland bekommen. Dadurch gelingt den Amerikanern, obwohl sie der mit Abstand größte Schuldner der Welt sind, eine nahezu ausgeglichene Einkommensbilanz (Vergleich zwischen gezahlten und erhaltenen Zinsen und Dividenden).

Und kommt es doch einmal zu einer Abwertung des Dollar, sind die Amerikaner selbst davon kaum betroffen, da sie ihre Auslandsguthaben in Dollar rechnen, ihre Gläubiger die Verbindlichkeiten jedoch nicht. So schätzt Eichengreen, dass die USA allein durch ihre achtprozentige Abwertung im Jahr 2007 rund zwei Drittel des damaligen Leistungsbilanzdefizits von 660 Milliarden Dollar de facto tilgen konnten. Dieses Phänomen brachte schon John Conally, Finanzminister unter US-Präsident Richard Nixon, einst auf den Punkt: „Es ist unsere Währung, aber es ist euer Problem.“

Das Risiko. Bisher brachte das „exorbitante Privileg“ des Dollar den Amerikanern nur Vorteile. Sie konnten mehr verbrauchen, als sie selbst erarbeiteten, und einen Teil dieser Rechnung in Form von Abwertungen ihren Gläubigern umhängen. Nur dies ermöglicht es laut manchen Ökonomen den USA auch, ihren Militärkomplex weiterhin zu finanzieren, der wiederum einst der Grund für den Erwerb der globalen Vormachtstellung war.

Allerdings schwebt zunehmend ein Damoklesschwert über Washington. Was passiert, wenn der Dollar seine alleinige Vormachtstellung als Weltreservewährung verlieren würde? Wenn die globale Nachfrage nach frischen „Greenbucks“ sinken würde und andere Länder den Export von Inflation nicht mehr einfach so akzeptieren würden (siehe nebenstehenden Artikel)?

Entscheidend ist hierbei vor allem das Verhalten Chinas. So wollen die Chinesen zwar den Yuan zu einer Leitwährung ausbauen. Allerdings sitzen sie bereits auf fast vier Billionen Dollar an Reserven. Ein schockartiger Bedeutungsverlust des Dollar samt kräftiger Abwertung hätte somit auch für China gravierende Folgen – eine globale Krise wäre unausweichlich. Die Lösung dürfte also in einer behutsamen Anpassung liegen. Ein Plan, den auch US-Präsident Barack Obama verfolgt – etwa, indem die US-Exporte deutlich ausgebaut werden sollen.

Zahlen 500 Milliarden Dollar an Bargeld kursieren außerhalb der USA. Bei den 100-Dollar-Noten sollen es sogar drei Viertel sein.

Billionen Dollar betragen die Währungsreserven der chinesischen Nationalbank bereits nahezu. Eine schockartige Abwertung des Dollar wäre für China daher ein riesiges Problem.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 27.07.2014)

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Die Welt hat langsam genug vom Dollar

Dollarscheine / Bild: Bilderbox 

Genau 70 Jahre nach der Konferenz von Bretton Woods ist der US-Dollar als globale Leitwährung angezählt. EU und BRICS wenden sich ab. Aber König Dollar regiert erst mal weiter.

26.07.2014 | 18:38 |  von Nikolaus Jilch  (Die Presse)

Dann eben Shanghai. Fast genau 70 Jahre, nachdem auf der Konferenz von Bretton Woods am 22. Juli 1944 die Inthronisierung des Dollar als Weltreservewährung und Ersatz für Gold beschlossen worden war, zogen die Staatschefs der aufstrebenden BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) bei ihrem kürzlich abgehaltenen Gipfel einen Schlussstrich unter dieses Kapitel Währungsgeschichte. Es war eine politische Entscheidung von historischem Ausmaß – auch wenn Medien und Märkte wenig Notiz nahmen.

Künftig wollen die BRICS-Staaten, die mit drei Milliarden Menschen etwas weniger als die Hälfte der Erdbevölkerung stellen, in Sachen Währungspolitik eigene Sache machen. Mit der New Development Bank, die in Shanghai residieren soll, und dem sogenannten Contingent Reserve Arrangement wollen sie ein System außerhalb des bestehenden Systems schaffen. Oder, flapsig gesagt: Sie wollen den Dollar umgehen – ja, sogar ablösen. Aber langsam.

Euro als Konkurrent. Der Grund, warum weder Märkte noch Medien die Tragweite des BRICS-Beschlusses realisiert haben: Der US-Dollar sitzt fest auf dem Thron, er ist und bleibt der König unter den Währungen. Die USA sind (noch) Wirtschafts- und Militärmacht Nummer eins. Weder der russische Rubel noch der brasilianische Real – ja noch nicht einmal der chinesische Yuan – kann es mit der Weltwährung auch nur ansatzweise aufnehmen. Wenn überhaupt, dann gibt es nur einen ernst zu nehmenden Konkurrenten: den Euro.

Aber 87 Prozent aller Transaktionen auf dem Billionen Dollar schweren Währungsmarkt beinhalten immer noch den Dollar. Und auch wenn der Euro bereits an 36 Prozent der Geschäfte beteiligt ist: Das Erbe von Bretton Woods ist intakt. Das zeigen schon die bei den Zentralbanken gebunkerten Währungsreserven: Rund 60 Prozent der Reserven werden in Dollar gehalten – und rund 25 Prozent in Euro.

Aber warum ist die Etablierung einer eigenen „Weltbank“ durch die BRICS-Staaten als Attacke auf den Status des Dollar zu werten? Weil die Alternativen dadurch an Bedeutung verlieren. Namentlich: die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF).

Der hat längst ein enormes Imageproblem. In vielen Ländern Asiens und Südamerikas wird der IWF als brutaler Geldeintreiber wahrgenommen, der im Zweifelsfall Nationen die Kniescheibe zertrümmert, um ans Geld seiner Auftragsgeber zu kommen. Von seiner ursprünglichen Rolle als Koordinator des Währungssystems von Bretton Woods, das 1944 beschlossen wurde, hat er sich längst weit entfernt. Die BRICS-Staaten zeigten sich in ihrem Gipfel-Kommuniqué zudem „enttäuscht und ernsthaft besorgt“, weil die im Jahr 2010 beschlossenen Reformen des IWF noch immer nicht umgesetzt wurden.

Diese Reform hätte aus dem IWF rund 70 Jahre nach dessen Entstehen eine wahrhaft internationale Organisation gemacht. Bisher wird der IWF nämlich einzig und allein von den USA dominiert, die die Sperrminorität der Stimmen halten und deswegen jede Entscheidung per Veto blockieren können. Durch die Etablierung eigener Einrichtungen erhöhen die BRICS-Staaten den Druck auf die USA, die Reform rasch durchzuziehen. Aber wie so oft in der Geschichte scheint die Realität den Planungen der Politiker zuvorzukommen.


König Dollar.
 Der Dollar ist nicht die erste Leitwährung der Geschichte – und er wird nicht die letzte sein. Die griechische Drachme spielte diese Rolle schon fünf Jahrhunderte vor Christus. Später war es der römische Denar. Im Mittelalter dominierten der Islamische Dinar im Osten und der Rheinische Gulden im Westen. Dann kamen Portugal, Spanien, Holland, Frankreich und Großbritannien zur Ehre.

Und jetzt eben der US-Dollar. Seine Stärke ist längst zum Nachteil geworden, denn absolute Macht kann man nicht mehr ausbauen – man kann sie nur verlieren. Noch müssen auf dem Währungsmarkt alle Währungen zuerst in Dollar und dann in die jeweilige andere Währung gewechselt werden. Ein Privileg, das durch eine wachsende Anzahl an Währungs-Agreements zwischen den Zentralbanken bröckelt.

Gleichzeitig nehmen China und Russland die letzte große Bastion des Dollar ins Visier: den Ölhandel. Seit das System von Bretton Woods 1971 zusammengebrochen ist und die Bindung des Dollar an Gold aufgelöst wurde, hat sich der Dollar vor allem als Ölwährung etabliert. Wer Öl will, braucht Dollar. Aber Russland und China haben im Mai historische Rohstoffverträge abgeschlossen und auch die Absicht kundgetan, diese in ihren eigenen Währungen abwickeln zu wollen – in Zukunft.

Denn – und das ist der entscheidende Punkt – während Europa und China ihre Währungen gern als Dollarnachfolger etablieren würden, hat niemand ein Interesse an einer Dollarkrise oder gar einem Währungskrieg mit Handelsschranken und allem, was zu einer globalen Krise dazugehört. China braucht Amerika, Amerika braucht China; beide brauchen Europa, und Europa braucht beide (plus Russland). Die Macher des Euro waren immer sehr offen, was ihre Pläne betrifft. Der Euro sollte sich auf dem Markt etablieren und aufgrund seiner Stabilität und Vertrauenswürdigkeit die Rolle als Leitwährung übernehmen.

Derzeit stehen die Sterne ganz gut, wird doch der Yuan weiterhin von einem autokratischen Politbüro kontrolliert und liegt damit in Sachen Vertrauen klar zurück. Aber Europa und China halten auch gewaltige Dollarreserven – sie haben also gar kein Interesse an einer akuten Dollarkrise. Das stärkt den Status quo. Seit dem 15. Jahrhundert hat der Status einer Leitwährung jeweils 80 bis 110 Jahre gehalten. Der Dollar spielt de facto schon seit 1925 diese Rolle – seit 89 Jahren also. Aber solange das vorläufige Kapital der neuen BRICS-Institutionen mit „150 Millionen Dollar“ und nicht etwa „111 Millionen Euro“ oder gar „930 Millionen Yuan“ angegeben wird, solange regiert König Dollar einfach weiter.

Dollar- timeline

  1.  Der Dollar löst das britische Pfund als wichtigste Reservewährung ab.
  2.  Bretton Woods: Neues System mit dem Dollar im Zentrum wird beschlossen.
  3.  Das Bretton-Woods-System bricht zusammen. Der Dollar wird seitdem vor allem durch seine Bedeutung im Ölhandel gestützt. 

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 27.07.2014) 

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Aus dem per ÖVP-Amtsmissbräuche offenkundig verfassungswidrig agrar-ausgeraubten Tirol, vom friedlichen Widerstand, Klaus Schreiner

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PS.: Übrigens die elfte Innsbrucker Friedensmahnwache findet am Montag den 28.07.14 um 18:00 Uhr bei der Annasäule statt. Sei dabei! Unterstütze mit Deiner Anwesenheit die friedliche Bewegung FÜR Frieden in Europa und auf der ganzen Welt! 

Dollar Banknoten

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