„Heilt man Krebs mit Aspirin?“ Ein Gastkommentar von Hr. Walter Katzmayr zum TT-Beitrag über den Verbraucherpreisindex (VPI) mit Hr. Univ. Prof. DDr. Jürgen Huber

Finanzmarkt- und Konzernmacht-Zeitalter der Plutokratie unterstützt von der Mediakratie in den Lobbykraturen der Geld-regiert-Regierungen in EuropaInnsbruck, 2014-04-02

Liebe BlogleserIn,

ein sehr interessanter Gastbeitrag bzw. Leserbrief von Herrn Walter Katzmayr aus Schwaz zu dem TT Artikel über den Verbraucherpreisindex der anhand eines sehr fragwürdigen Warenkorbes, weit von der wirtschaftlichen Realität der Mehrheit der Bevölkerung, erhoben wird.

PREISINDEX: „HEILT MAN KREBS MIT ASPIRIN?“

 

Mit dem umfassenden Beitrag zur „politischen Mogelpackung“ Preisindex hat die TT auf ein fragwürdiges wirtschaftspolitisches Instrument punktgenau hingewiesen, das sich längst als oberflächlich – schon beginnend mit den Vorerhebungen – und absolut untauglich für die Erhaltung der Kaufkraft, d.h. für die Anpassung von Löhnen, Gehältern und Pensionen erwiesen hat. Die Erhaltung oder besser noch die Steigerung der Kaufkraft in breitesten Bevölkerungsschichten ist aber der wichtigste Motor für eine florierende Wirtschaft. Denn nur dann geht´s der Wirtschaft gut, wenn´s uns allen gut geht! Das heißt: spürbare Kaufkraft in allen Geldbörserln!

 

Durch die seit vielen Jahren (seit ca. 1990) weitaus unterinflationäre Anpassung der Masseneinkommen gemäß Preisindex (VPI) und nicht gemäß der tatsächlichen Inflation, die die Politiker leichtfertig als „gefühlte Inflation“ bagatellisieren und damit den Kern des gesamtwirtschaftlichen Problems verkennen, mussten die Armen ärmer werden und ferner aufgrund schwindender Kaufkraft und Nachfrage viele, ja viel zu viele Arbeitnehmer arbeitslos werden.

 

In den Jahren bis 2007/08 hat in den USA die exorbitante Inflation der Immobilienpreise aufgrund der Spekulation und die gleichzeitig leichtfertige Vergabe der dazu notwendigen Kredite die Weltfinanz- und Wirtschaftskrise ausgelöst. In Österreich macht man ungebremst die gleichen fatalen Fehler weiter. Jeder weiß, dass die Preise für Wohnen in Österreich sowohl bei Eigentum (Wohnung oder Haus) als auch bei Miete permanent stark steigen, und in der Folge für viele und laufend für immer mehr unleistbar wurden. In den letzten 25 Jahren verging kaum ein Monat, in dem die Kosten für Wohnen laut VPI nicht zu den Inflationstreibern gehörten. Das Problem Wohnen war in Österreich und besonders in Tirol seit dem Zweiten Weltkrieg noch nie gelöst. Wohnen haben die Politiker zum „chronischen Problem“ gemacht!

 

Der VPI erfasst die enorme Inflation im gesamten Bereich Wohneigentum und Miete nur unzureichend(!!!). Damit wird dem heimischen Wählervolk und internationalen Interessenten eine niedrigere Inflation von den verantwortlichen Politikern vorgegaukelt. Und trotzdem liegt im Februar 2014 im europäischen Vergleich unser VPI immer noch im Spitzenfeld hinter Großbritannien (1,9%), Finnland und Malta (1,6%) und Österreich (1,5%). Irland, Spanien und Schweden haben gar nur 0,1% Inflation, unsere Nachbarn Slowenien (0,2%), Tschechien und Ungarn (0,3%) und auch Italien (0,4%) liegen bei der Inflation weit unter uns.

Die Mieten werden im VPI von der STATISTIK AUSTRIA mit nur rund 4% im Warenkorb gewichtet, obwohl für viele Haushalte die Miete der höchste Ausgabeposten ist. Nahezu jeder Mieter weiß aus eigener Erfahrung, dass seine Miete (inkl.MWSt. aber ohne Betriebs- und Heizkosten) mehr als 4% seines Haushaltsnettoeinkommens ausmacht, ja häufig bis zum Fünf- und Zehnfachen.

Das gesamte Nettoeinkommen aller privaten Haushalte Österreichs betrug im Jahr 2012 182 Mrd. Euro. Davon gingen 14 Mrd. auf Veranlagungen (Sparbücher, Wertpapiere etc.). Von den verbleibenden 168 Mrd. werden 42 Mrd. (= 1 Viertel des für den „Konsum“ verbleibenden Haushaltsnetto-

einkommens) vom VPI auf Inflation nicht(!!!) untersucht, obwohl sich hier INFLATION im Höchstmaß „austobt“ (z.B. Verteuerungen am Immobiliensektor). Die verbleibenden 126 Mrd. EURO vom Nettoeinkommen aller Haushalte werden auf Inflation „abgeklopft“.

 

Das Gesamtvolumen für Mieten beträgt demnach (bei 4% von 126 Mrd) 5,04 Mrd. EURO. Rund die Hälfte aller österreichischen Haushalte (=1,85 Mio) wohnen in Miete. Das ergibt eine durchschnittliche Jahresmiete von € 2.724.- oder € 227.- monatlich. Sehr günstige Wohnungen haben eine Miete von € 5.-/m². Mit einer Monatsmiete von € 227.- finanziert man damit eine 45m²Wohnung, bei € 7.-/m² sind nur mehr 32m² leistbar und bei € 10.-/m² sind gemäß VPI der STATISTIK AUSTRIA gerade noch rund 23m² leistbar. Wir nähern uns wieder gefährlich den Wohnverhältnissen des „Wiener Proletariats“ um 1900.

 

An diesem Beispiel erkennt man, dass im VPI gewaltige Mängel stecken und die Politiker lassen diese über Jahrzehnte passieren. Und obwohl sie darüber regelmäßig auch durch die Medien informiert werden, handeln sie nicht und verlieren zu Recht eine Wahl nach der anderen.

 

Der VPI ist absolut ungeeignet, die Kaufkraft der Österreicherinnen und Österreicher zu erhalten oder gar zu steigern, um den Wirtschaftsmotor am Laufen zu halten oder vielleicht sogar Gas zu geben, um die derzeit höchste Arbeitslosigkeit seit den 50er Jahren abzubauen und künftig zu verhindern. Dazu ist der VPI ebenso ungeeignet, wie zur Heilung von Krebs das altbewährte ASPIRIN.

Zur Erhaltung und Steigerung der Kaufkraft ist ein Einkommens-spezifischer Verbraucherpreisindex (ESVPI) notwendig, der die Nettoeinkommen gestaffelt etwa nach dem 1. Tausender, dem 2. und dem 3. unterschiedlich gemäß tatsächlicher oder „gefühlter“ Inflation anhebt. Diesen ESVPI könnte, sollte – ja müsste – ein verantwortungsbewusster Wirtschaftsminister oder der Sozialminister oder die ganze Regierung beantragen. Wenn diese alle nicht handeln, kann auch die Wirtschafts- oder die Arbeiterkammer oder auch der ÖGB diesen bei der STATISTIK AUSTRIA beantragen. Die Sozialpartner und Seniorenvertreter sind dann gefordert, den ESVPI bei den Anpassungsverhandlungen einzusetzen.

 

Eine letzte Frage ist noch offen: wer soll das bezahlen? Die Kosten bei der STATISTIK AUSTRIA könnten vom nutzlosen Pensionistenindex zum ESVPI umgeschichtet werden. Für die Steigerung der breiten Kaufkraft braucht es vorerst auch NOCH keinen Zugriff auf den angespannten Steuertopf (Steuerreform, Steuersenkung). Fand bisher seit Jahrzehnten infolge des VPI eine Umverteilung von unten nach oben statt, könnte der ESVPI eine Trendumkehr bewirken zu einer Umverteilung von oben nach unten. Es braucht daher dafür keine zusätzliche Millionärssteuer und auch keine höhere Staatsverschuldung und ebenso auch keinen weiteren Ausbau der tödlichen Seuche „Subventionitis“.

 

Walter Katzmayr

6130 Schwaz

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Aus dem per ÖVP-Amtsmissbräuche offenkundig verfassungswidrig agrar-ausgeraubten Tirol, vom friedlichen Widerstand, Klaus Schreiner

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